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Pressemitteilung vom 14.07.2010

Labor statt Strand

Fünfte Staffel des Schülerstammzell-Projekts am RTC Rostock

Nicht alle Schülerinnen und Schüler Mecklenburg-Vorpommerns erholen sich schon am Strand. Zwölf Gymnasiasten aus Bad Doberan haben freiwillig den Ferienanfang um eine Woche verschoben, um beim Schüler-Stammzellprojekt an der Universität Rostock wissenschaftlich zu arbeiten. Zusammen mit dem Friderico-Francisceum-Gymnasium lädt das Referenz- und Translationszentrum für kardiale Stammzelltherapie der Universität Rostock (RTC) in jedem Jahr Schüler der 11. Klasse ein, ihren Biologieunterricht praktisch zu ergänzen. Zwei Wochen lang lernen sie die Arbeit in einem Zellforschungslabor und den Alltag eines Wissenschaftlers kennen: Sie züchten Zellen, mikroskopieren, extrahieren DNA und schleusen sie in Wirtszellen ein. Sie hören Vorträge über Zellbiologie und Stammzelltherapien.

Nora Beckmann bereitet  eine Zellkultur vor.

„Beim Stammzell-Projekt geht es darum, dass die Schüler aktuelle Fragen und Technologien der Medizin und Biotechnologie kennen lernen,“ erläutert Dr. Cornelia Lux, eine der Betreuerinnen des RTC. „Und sie sollen nicht nur die Theorie, sondern auch die Praxis der Wissenschaft erleben. So bearbeiten sie eigenständig wissenschaftliche Fragen und, da wir ein internationales Labor sind, findet all das auf Englisch statt. Zum Abschluss des Kurses präsentieren die Schüler ihre Ergebnisse unseren Wissenschaftlern.“ Interessant findet das Nora Beckmann, denn „normalerweise hielten die Mitarbeiter uns Vorträge und jetzt können wir selbst unser gewonnenes Wissen präsentieren.“
„Natürlich würde ich jetzt gern am Strand faulenzen,“ ergänzt ihr Mitschüler Theo Rodat angesichts von 30° auch im Labor. „Aber hier lernen wir etwas für unser zukünftiges Berufsleben und insgesamt ist es faszinierend.“

Prof. Dr. Gustav Steinhoff, Leiter des RTC, möchte mit dem Schülerstammzell-Projekt einerseits den jungen Gymnasiasten einen Einblick in die Welt der Wissenschaft ermöglichen, andererseits dient das Projekt konkret der Suche nach wissenschaftlichem Nachwuchs. Und das mit Erfolg: „Das Schülerstammzelllabor gibt es seit fünf Jahren, einige der ersten Teilnehmer sehe ich im Studiengang Biotechnologie an der Uni Rostock wieder. Das freut uns natürlich.“

Das Schülerstammzelll-Projekt basiert auf einer Kooperation zwischen der Universität Rostock, dem Verein IRMED e.V. und dem Friderico-Francisceum-Gymnasium, Bad Doberan. Eine Fortsetzung im nächsten Jahr ist geplant.

 
 
 
 

Ältere Meldungen

link 16.04.2010: Empfehlungen der Europäischen Arzneimittelagentur zu Stammzelltherapien
link 15.02.2010: Wie sich Stammzellen ins Herz locken lassen: Rostocker Forschung für kardiale Stammzelltherapie ausgezeichnet
link 05.02.2010: Interview: Prof. Dr. Gustav Steinhoff in “The Hindu” (Hyderabad, Indien)
link 29.10.2009: Stammzellen mit Bypass-Operation kombiniert – erste klinische Studie der Phase III beginnt in Rostock
link 26.10.2009: Neue Therapien für kranke Kinderherzen: Rostocker Wissenschaftler gewann europäischen Nachwuchspreis
link 02.09.2009: Rostocker Herzchirurgen gelingt weltweit erste Stammzell- Transplantation bei Schlüsselloch-Herzklappen-Korrektur
link 21.08.2009: Stammzellen unterm Mikroskop: Rostocker Forscher untersuchen Sicherheit von Stammzelltherapien
link 20.07.2009: Nabelschnurblut-Stammzellen verbessern Herzleistung bei angeborenem Herzfehler
link 24.04.2009: Feierliche Eröffnung des RTC


Kontakt für Presseanfragen:

Anke Wagner
Telefon: 0381 - 494 39 05
E-mail: anke.wagner@med.uni-rostock.de
 
 
 
 

Stammzellbehandung nur unter kontrollierten Bedingungen empfehlenswert

International und auch in Deutschland bieten private Kliniken Stammzelltherapien für unterschiedliche Krankheiten an. Die Europäische Arzneimittelagentur (EMA) rät interessierten Patienten, diese Angebote genau zu prüfen. Bisher sei noch keine Stammzelltherapie nach der neuen Gesetzgebung zugelassen, heißt es in einer Erklärung der EMA. Die Angebote sind dennoch nicht illegal, vielmehr nutzen die Kliniken die im Gesetz vorgesehenen Übergangsfristen für auf dem Markt befindliche Produkte aus. Dennoch empfiehlt die EMA interessierten Patienten, sich an Kliniken zu wenden, an denen eine Stammzelltherapie im Rahmen von klinischen Studien erforscht und entwickelt wird. Dies ist am RTC der Fall: Die hier durchgeführten klinischen Studien sollen schließlich zu einer EU-weiten Zulassung führen.

Die Empfehlung der Europäischen Arzneimittelagentur können Sie hier im Original lesen (in englisch).

 
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Pressemitteilung vom 15.02.2010

Wie sich Stammzellen ins Herz locken lassen:
Rostocker Forschung für kardiale Stammzelltherapie ausgezeichnet

Gleich zwei Rostocker Ärzte sind am Wochenende von der Deutschen Gesellschaft für Thorax-, Herz- und Gefäßchirurgie (DGTHG) mit Preisen für ihre wissenschaftliche Arbeit zum Thema Stammzell-Zielwanderung ausgezeichnet worden: Dr. Christian Klopsch erhielt den Wissenschaftspreis der Ulrich-Karsten-Stiftung für seine Doktorarbeit, in der er untersuchte, inwiefern die Gabe von Erythropoetin (auch als Dopingmittel EPO bekannt) Stammzellen aus dem Knochenmark dazu anregt, sich in das infarktgeschädigte Herz zu begeben. Dr. Peter Donndorf bekam den Nachwuchspreis der DGTHG für seine Doktorarbeit, in der er sich mehr grundlegend mit der Frage befasste, welche Enzyme und Signalmoleküle die Zielwanderung von Knochenmark-Stammzellen hin zu einem entzündlich veränderten Gewebe beeinflussen.

v.l.n.r.: Dr. Gerhard Fempell (Vertreter der Ulrich-Karsten Stiftung), Dr. Peter Donndorf, Dr. Christian Klopsch
Foto: Thomas Merz (www.merz-foto.de)

Der Wissenschaftspreis der Ulrich-Karsten-Stiftung wird alle zwei Jahre an junge Wissenschaftler vergeben, die bereits hervorragende wissenschaftliche Arbeiten im Bereich Herz- und Kreislauferkrankungen vorgelegt haben und in ihren Fachgebieten weiterforschen wollen. Mit dem Nachwuchspreis zeichnet die DGHTG jährlich experimentelle und klinisch relevante Promotionsarbeiten der Thorax-, Herz- und Gefäßchirurgie aus. Die Preise wurden am Sonntag, 14. Februar, anlässlich der Jahrestagung der DGHTG in Stuttgart verliehen.

Dass körpereigene Stammzellen ein durch Infarkt geschädigtes Herz heilen helfen, ist bekannt. Die bisherigen klinischen Studien zu dieser Therapie nutzen dafür Stammzellen des Patienten, die ihm aus dem Knochenmark, in der Regel am Beckenkamm, entnommen werden. Diese Stammzellen werden dann direkt per Injektion oder über einen Herzkatheter zum geschädigten Herzmuskelgewebe geleitet. Die Möglichkeit, die Stammzellen dazu anzuregen, selbst vermehrt in Richtung Herz zu wandern, wenn sie dort zur Regeneration geschädigten Gewebes gebraucht werden, wäre für die Patienten auf jeden Fall angenehmer. Dr. Christian Klopsch konnte in seinen Studien an Ratten nachweisen, dass sich nach einer Injektion von EPO ins infarktgeschädigte Herz vermehrt bestimmte Stammzellen dort nachweisen lassen. Dies führt zu einer deutlichen Verbesserung der Herzfunktion, außerdem lässt sich die Bildung von neuem Gewebe beobachten. Die Analyse verschiedener Organe der Versuchstiere gaben keinerlei sichtbare Hinweis auf schädliche Nebenwirkungen der Behandlung, wie beispielsweise Thrombosen.

Dr. Peter Donndorf hingegen beobachtete im Rahmen seiner Promotion das Verhalten von injizierten Knochenmark-Stammzellen im Gefäßsystem der Maus mit Hilfe eines sog. Intravitalmikroskops unter verschiedenen Bedingungen. Im Fokus seiner Aufmerksamkeit stand dabei das Enzym eNOS (endotheliale Stickoxidsynthase). Dabei konnte er nachweisen, dass dieses Enzym eine besondere Bedeutung bei der Interaktion von Stammzellen mit den Zellen der Gefäßwand hat und damit auch einen entscheidenden Einfluss auf die erfolgreiche Zielwanderung von Stammzellen in entzündlich verändertes Gewebe.

Beide Ärzte arbeiten an der Klinik und Poliklinik für Herzchirurgie der Universität Rostock. Der 26-jährige Christian Klopsch hat dort im Januar seine Promotion erfolgreich abgeschlossen und ist derzeit in der Facharztausbildung, Peter Donndorf (28) hat bereits 2009 promoviert und ist als Prüfarzt auch in der klinischen Forschung aktiv. Der Direktor der Herzchirurgie, Prof. Dr. Gustav Steinhoff, ist stolz auf seinen wissenschaftlichen Nachwuchs: „Bereits im letzten Jahr ist eine unserer Ärztinnen mit dem Nachwuchspreis der DGHTG ausgezeichnet worden. Das zeigt, dass Rostock gerade auf dem Gebiet der kardialen Stammzellforschung in Deutschland ganz oben dabei ist.“

Link zur Jahrestagung der DGTHG

 
 

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Interview: Prof. Dr. Gustav Steinhoff in “The Hindu” (Hyderabad, Indien)

Prof. Dr. Gustav Steinhoff hielt am 4. Februar auf der BioAsia in Hyderabad (Indien) einen Vortrag zur kardialen Stammzelltherapie. Journalisten der Tageszeitung link „The Hindu“ interessierten sich danach mehr für die Rostocker Erfahrungen mit der Stammzelltherapie. Lesen Sie hier link das Interview (pdf, 260 kb). Die BioAsia besuchten Prof. Steinhoff und Dr. Gudrun Tiedemann vom RTC Rostock im Rahmen einer Delegationsreise der „Regenerative Medicine Initiative Germany (RMIG)“.

 
 

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29.10.2009: Pressemitteilung

Stammzellen mit Bypass-Operation kombiniert – erste klinische Studie der Phase III beginnt in Rostock

In der Klinik für Herzchirurgie der Universität Rostock wurde jetzt der erste herzkranke Patient im Rahmen der klinischen Stammzellstudie „PERFECT“ behandelt. Dies teilte der Leiter der klinischen Studie, Prof. Dr. Steinhoff, mit. Der Patient sei wohlauf und wurde heute aus der Klinik entlassen. Die Phase-III-Studie soll belegen, dass körpereigene adulte Stammzellen in einem geschwächten Herzen Regenerationsprozesse auslösen, die die Herzfunktion und damit die Lebensqualität verbessern.

Um subjektive Einflüsse auszuschließen, ist die Studie doppelt-blind und placebo-kontrolliert angelegt, außerdem sind drei Kliniken als Studienzentren beteiligt. Insgesamt sollen 142 Patienten an der Studie teilnehmen, je zu einem Drittel werden sie in Rostock, am Deutschen Herzzentrum Berlin und in der Medizinischen Hochschule Hannover operiert. Für die Stammzelltherapie wird aus dem Knochenmark des Patienten eine bestimmte Fraktion Stammzellen, die CD133+ Zellen, isoliert. Das entsprechende Verfahren entwickelte die Firma Miltenyi Biotec GmbH aus Bergisch Gladbach, die auch an der Studie „PERFECT“ beteiligt ist.

Die Studie PERFECT läuft im Rahmen eines nationalen Forschungsprogramms unterstützt vom Bundesforschungsministeriums und vom Land Mecklenburg-Vorpommern im Referenz- und Translationszentrum für kardiale Stammzelltherapie (RTC) der Universität Rostock. In etwa drei Jahren sollen die Ergebnisse vorliegen und die europaweite Zulassung der Stammzellpräparation vorbereitet werden.


Kontakt für Rückfragen:
Prof. Dr. med. Gustav Steinhoff
Direktor der Klinik und Poliklinik für Herzchirurgie der Universität Rostock
Leiter der Referenz- und Translationszentrums für kardiale Stammzelltherapie (RTC)
Tel: 0381 - 4 94 61 00
gustav.steinhoff@med.uni-rostock.de


Der volle Titel der Studie PERFECT lautet: Intramyocardial TransPlantation of BonE MaRrow Stem Cells For ImprovEment of Post-Infarct MyoCardial RegeneraTion in Addition to CABG Surgery


Mehr Information zur Studie findet man unter  www.clinicaltrials.gov (identifier: NCT00950274)
 

 
 

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26.10.2009 – Pressemitteilung

Neue Therapien für kranke Kinderherzen: Rostocker Wissenschaftler gewann europäischen Nachwuchspreis

Für die Entwicklung eines Großtiermodells zur Erforschung neuer regenerativer Stammzelltherapien für Erkrankungen der rechten Herzkammer bei Kindern wurde der Rostocker Herzchirurg Dr. med. Can Yerebakan von der European Association for Cardio-Thoracic Surgery (EACTS) ausgezeichnet. Die EACTS ist die größte europäische Vereinigung der Herz- und Thoraxchirurgen. Der “young investigators award”, ein Preis für die beste Forschungsarbeit eines Nachwuchswissenschaftlers, wurde in der letzten Woche anlässlich der EACTS-Jahrestagung vom 17.-21. Oktober in Wien verliehen.

Dr. Yerebakan (32) ist Assistenzarzt an der Klinik und Poliklinik für Herzchirurgie in Rostock. Wie angeborene Herzfehler in Zukunft besser behandelt werden können, erforscht er im Rahmen seiner Habilitation. Ein Schritt auf diesem Weg sind Versuche an speziellen Tiermodellen, die Herzkrankheiten nachahmen. Yerebakan hat dafür ein Schafmodell entwickelt, an dem er kurz- und langfristig die Funktionsveränderungen der rechten Herzkammer messen kann. Daran untersucht er unterschiedliche Therapieansätze für weit verbreitete angeborene Herzfehler, unter anderem die Behandlung mit Stammzellen aus Nabelschnurblut.

Kontakt für Rückfragen:
Dr. med. Can Yerebakan
Klinik und Poliklinik für Herzchirurgie der Universität Rostock
Tel: 0381 - 4 94 61 01
can.yerebakan@med.uni-rostock.de

Prof. Dr. med. Gustav Steinhoff
Direktor der Klinik und Poliklinik für Herzchirurgie der Universität Rostock
Tel: 0381 - 4 94 61 00
gustav.steinhoff@med.uni-rostock.de

 

Prof. Erino Rendina (Präsident der EACTS), Ph.D. A. Pieter Kappetein (Generalsekretär der EACTS) und Dr. Can Yerebakan bei der Preisverleihung
(von links nach rechts)

 
(Hinweis: Dieses Foto gibt es auch in druckbarer Qualität)
 

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02.09.2009: Pressemitteilung

Rostocker Herzchirurgen gelingt weltweit erste Stammzell- Transplantation bei Schlüsselloch-Herzklappen-Korrektur

Weltweit erstmalig wurde jetzt am Universitätsklinikum Rostock (AöR) erfolgreich eine Transplantation körpereigener Knochenmark-Stammzellen im Rahmen einer videoskopischen Herzklappenkorrektur durchgeführt. Bei dem Patienten, der an einer schweren Herzmuskelschwäche litt, war eine defekte Herzklappe über einen nur vier Zentimeter kurzen Schnitt am seitlichen Brustkorb repariert worden. Gleichzeitig konnten zuvor aus dem Knochenmark des Patienten gewonnene Stammzellen gezielt in den erkrankten Herzmuskel eingespritzt werden.

Eine neue Operationstechnologie unter Einsatz einer Videokamera im Herzen ermöglicht die präzise Klappenkorrektur und die punktgenaue Applikation der Zellen in die geschädigte Herzwand - und das alles ohne die übliche Eröffnung des Brustkorbes.

Der Eingriff erfolgte in der Klinik und Poliklinik für Herzchirurgie, geleitet wurde er vom Rostocker Herzchirurgen Prof. Andreas Liebold (46), der sich mit dem Ausgang der Operation überaus zufrieden zeigte: "Die Kombination der kardialen Stammzelltherapie mit innovativen, minimal-invasiven Operationsmethoden eröffnet völlig neue Behandlungsstrategien". Der behandelte Patient konnte bereits aus dem Universitätsklinikum entlassen werden. Die Rostocker Ärzte erhoffen sich von der neuen Therapie einen wirkungsvollen Ansatz für Patienten mit Herzmuskelschwäche.

Die Herzchirurgen am Universitätsklinikum Rostock (AöR) arbeiten seit mehreren Jahren an der Entwicklung und Erprobung der kardialen Stammzelltherapie. Im Jahr 2001 wurde die weltweit erste Stammzellinjektion in einen durch Infarkt beschädigten Herzmuskel vorgenommen. Mittlerweile wurden 140 Patientinnen und Patienten mit der kardialen Stammzelltherapie behandelt.

Kontakt für Rückfragen:
Prof. Dr. med. Gustav Steinhoff, Tel 0381 - 494 61 00
gustav.steinhoff@med.uni-rostock.de

 
 

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21.08.2009 – Pressemitteilung

Stammzellen unterm Mikroskop: Rostocker Forscher untersuchen Sicherheit von Stammzelltherapien

Was muss man über eine Stammzelle wissen, bevor sie als Heilmittel eingesetzt werden kann? Diese Frage stellte Dario Furlani, Doktorand am Referenz- und Translationszentrum für kardiale Stammzelltherapien (RTC) der Universität Rostock. Im Ergebnis seiner Studie empfiehlt er detaillierte Zellanalysen an Stammzellen, die im Labor vermehrt wurden.

Dario Furlani untersuchte so genannte Mesenchymale Stammzellen (MSC). „Diese Untergruppe findet man bei erwachsenen Menschen im Knochenmark, im Fettgewebe, aber auch in Nabelschnurblut.“, sagt Furlani. „MSCs lassen sich recht einfach in Zellkultur vermehren und können problemlos gelagert werden. Außerdem eignen sie sich für unterschiedliche Therapien, denn diese Stammzellen sind imstande, sich zu Knochen, Nerven, Knorpel, Skelett- oder Herzmuskeln zu entwickeln. Kein Wunder, dass solche Multitalente für die medizinische Forschung und Anwendung interessant sind.“ Beispielsweise, so die Visionäre der Regenerativen Medizin, könnten Stammzellen aus eigenem eingelagertem Nabelschnurblut dann vermehrt und eingesetzt werden, wenn später Erkrankungen wie Herzprobleme oder Diabetes auftreten.

Die Nabelschnur als persönlicher tiefgefrorener Jungbrunnen? So einfach ist es dann doch nicht. Denn Furlani und seine Kollegen stellten fest, dass MSCs bei der Kultivierung im Labor eine gewisse Kreativität entwickeln: „Wir haben die Kulturen genau analysiert und neben originalgetreuen Kopien der Ausgangszellen auch Zellen mit verändertem Aussehen, mit anderer genetischer Ausstattung, instabilen Chromosomen und weiteren Mutationen gefunden.“ Was aber passiert, wenn diese mutierten Stammzellen für eine Therapie verwendet werden? Furlani sortierte die unterschiedlichen Zellen und überprüfte im Tierversuch deren Wirkung auf erkranktes Herzgewebe. Es zeigte sich, dass zwar keine unerwünschten Nebenwirkungen auftraten, aber, im Vergleich zu normalen MSCs, auch kaum ein therapeutischer Effekt. Bevor im Labor vermehrte Stammzellen für eine Therapie eingesetzt werden, so Furlani, müsse auf jeden Fall die äußere Oberfläche, die Anzahl der Chromosomen und die Stoffwechselgeschwindigkeit genauestens analysiert werden, wenn man einen Therapieerfolg garantieren wolle.

Im Labor gezüchtete MSCs werden im Rahmen von klinischen Studien bereits für Therapien am Menschen eingesetzt. Die Forschungsergebnisse aus Rostock tragen dazu bei, wichtige Einflussgrößen bei der Gewinnung und Bearbeitung von körpereigenen Stammzellen zu ermitteln und so den Weg für eine sichere und erfolgreiche Stammzelltherapie zu bereiten.

Kontakt für Rückfragen:
Prof. Dr. med. Gustav Steinhoff, Tel 0381 - 494 61 00
gustav.steinhoff@med.uni-rostock.de

Publikation:
Furlani D, Li W, Pittermann E, Klopsch C, Wang L, Knopp A, Jungebluth P, Thedinga E, Havenstein C, Westien I, Ugurlucan M, Li RK, Ma N, Steinhoff G.
A transformed cell population derived from cultured mesenchymal stem cells has no functional effect after transplantation into the injured heart.

publiziert in: Cell transplantation
VOLUME 18, NUMBER 3, 2009, Page 319-31
PubMed-ID: 19558780

 
 

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20.07.2009 – Pressemitteilung

Nabelschnurblut-Stammzellen verbessern Herzleistung bei angeborenem Herzfehler

Weltweit erster Großtierversuch bestätigt Machbarkeit und Sicherheit des Verfahrens

Bei der Fallot’schen Tetralogie, einem schweren angeborenen Herzfehler, kann die Transplantation eigener Nabelschnurblut-Stammzellen die Herzfunktion günstig beeinflussen. Das ist das Ergebnis einer Studie der Klinik und Poliklinik für Herzchirurgie an der Universität Rostock. Die Ergebnisse wurden jetzt im Fachjournal „Cell Transplantation“ veröffentlicht. Es handelt sich um die weltweit erste Studie zu dieser Erkrankungsgruppe, die in einem Großtierversuch mit Schafen durchgeführt wurde.

Die Fallot’sche Tetralogie macht etwa zehn Prozent der angeborenen Herzfehler aus. Sie besteht aus vier Komponenten: einer Verengung der Ausflussbahn der rechten Herzkammer, einem Loch der Kammerscheidewand, einer darüber „reitenden“ Körperschlagader und einer Verdickung der Muskulatur der rechten Herzkammer. Das Blut der betroffenen Kinder ist nur mangelhaft mit Sauerstoff versorgt, oft müssen die kleinen Patienten schon im ersten Lebensjahr am Herzen operiert werden. Diese Operation kann aber nicht das Problem beheben, dass die rechte Herzkammer wegen des Klappenfehlers schlechter arbeitet als bei gesunden Kindern. Diese Beeinträchtigung könnte die Stammzellbehandlung lindern und somit die Lebensqualität der Patienten erhöhen.

„Nabelschnurblut ist reich an sehr jungen, unbelasteten und entwicklungsfähigen Stammzellen“, erläutert Dr. med. Can Yerebakan, der Leiter der Rostocker Forschungsgruppe. „Aufgrund unserer langjährigen Erfahrung mit Stammzellen haben wir vermutet, dass diese die Folgen der Fallot’schen Tetralogie mildern könnten.“ In dem Experiment wurden Stammzellen aus dem Nabelschnurblut im Forschungslabor der Klinik und Poliklinik für Herzchirurgie isoliert und den Schafen direkt in den Herzmuskel verabreicht. 3 Monate später hatten die mit Stammzellen behandelten Versuchstiere eine um mehr als 20% bessere Funktion der rechten Herzkammer als die Kontrolltiere ohne Stammzellinjektion.

„Die Ergebnisse dieser Studie zeigen ein großes Potenzial von Nabelschnurblut-Stammzellen für die Behandlung angeborener Herzfehler“, sagt Yerebakan. „Da wir im Tierversuch keinerlei Nebenwirkungen der Therapie beobachtet haben, könnte man jetzt eine klinische Studie zu diesem Thema konzipieren.“ Auch wenn es sicher noch einige Jahre dauern werde, bis die Stammzelltherapie bei Kindern mit Herzfehlern angewandt werden könne, sei es schon jetzt ratsam, das Nabelschnurblut einzulagern, wenn bei einem Ungeborenen der Verdacht auf einen Herzfehler bestehe.

Die Klinik und Poliklinik für Herzchirurgie, Universitätsklinikum Rostock, die von Prof Dr. Gustav Steinhoff geleitet wird, gehört zu den führenden Forschungszentren auf dem Gebiet der Stammzelltherapien für Herz- und Gefäßkrankheiten. Im letzten Jahr wurde an der Klinik das Referenz- und Translationszentrum für kardiale Stammzelltherapie gegründet, das die Rostocker Forschungsaktivitäten auf diesem Gebiet bündelt und den Weg von der Forschung bis zur Zulassung als standardisierte und qualitätsgesicherte Therapie begleitet.


Kontakt für Rückfragen:
Dr. med. Can Yerebakan
Telefon: 0381 - 4 94 61 23 oder 0381 – 4 94 61 15

Prof. Dr. Gustav Steinhoff
Telefon: 0381- 4 94 61 01

Klinik und Poliklinik für Herzchirurgie
Universitätsklinikum Rostock (AöR)
Schillingallee 35, 18057 Rostock


Referenz- und Translationszentrum für kardiale Stammzelltherapie
Universität Rostock (RTC)
Schillingallee 68, D-18057 Rostock

Veröffentlichung:
Yerebakan, C; Sandica, E; Prietz, S; Klopsch, C; Ugurlucan, M; Kaminski, A; Abdija, S; Lorenzen, B; Boltze, J; Nitzsche, B; Egger, D; Barten, M; Furlani, D; Ma, N; Vollmar, B; Liebold, A; Steinhoff, G
Autologous Umbilical Cord Blood Mononuclear Cell Transplantation Preserves Right Ventricular Function in a Novel Model of Chronic Right Ventricular Volume Overload
Cell Transplant. 2009 Apr 9. pii: CT-2015. [Epub ahead of print]
 
 

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30.05.2009: Rostocker Stammzellforschung und -therapie in der Wirtschaftswoche

  Artikel als PDF (1,7 MB)

 
 
 
 

24.04.2009: Feierliche Eröffnung des RTC

Am Freitg, den 24. April wurde das RTC offiziell eröffnet. Pressemitteilung vom 24. April

Wegweisend: Rostock bringt Stammzelltherapie für Herzkrankheiten voran

Bund und Land fördern mit Industriebeteiligung Referenz- und Translationszentrum für kardiale Stammzelltherapie in Rostock

Mit einem Festakt wurde am 24. April 2009 das Referenz- und Translationszentrum
für kardiale Stammzelltherapie (RTC) im Beisein des Wirtschaftsministers von Mecklenburg-Vorpommern, Jürgen Seidel, in Rostock eröffnet. Wichtigstes Ziel des Zentrums ist es, in Rostock entwickelte Stammzelltherapien zur Behandlung von Herzerkrankungen als qualitätsgesicherte standardisierte Anwendungen aus der Forschung in die medizinische Praxis zu überführen. Bund, Land und Industrie realisieren ein Verbundprojekt mit dem RTC über drei Jahre mit insgesamt rund 7 Mio. Euro. Insgesamt 80 Ärzte und Wissenschaftler aus Rostock, Teterow, den Herzzentren Berlin und Hannover und den industriellen Verbundpartnern sind an der klinischen Einführung der neuen Herztherapien mit Stammzellen beteiligt. Die wirtschaftliche Verwertung der Projektergebnisse soll über die Firmen Miltenyi Biotec GmbH in Teterow, Mecklenburg-Vorpommern und die D-Trust GmbH, Berlin erfolgen. "Die Schaffung weiterer wissensbasierter Arbeitsplätze am Forschungs- und Produktionsstandort Mecklenburg-Vorpommern ist ein erfreuliches Zeichen für die Wirtschaft und ein Hoffnungsträger für die gut ausgebildeten Menschen in unserem Bundesland", betonte Wirtschaftsminister Seidel.

Der Herzinfarkt gehört zu den größten Gesundheitsrisiken in der westlichen Welt. Die derzeit üblichen Behandlungsmethoden können zwar die Folgen eines Herzinfarktes mildern, jedoch nicht die ursprüngliche Leistungsfähigkeit des Herzens wiederherstellen. "Das kann sich mit einer Stammzelltherapie ändern. Wenn man patienteneigene Stammzellen aus dem Knochenmark in das geschädigte Herzmuskelgewebe einbringt, verbessert sich die Funktionsfähigkeit des Herzens deutlich. Das hat unsere Forschung der letzten Jahre gezeigt", sagt Prof. Dr. med. Gustav Steinhoff, Leiter des RTC. Steinhoff, der auch Direktor der Rostocker Klinik und Poliklinik für Herzchirurgie ist, erforscht diesen Therapieansatz seit vielen Jahren. Die Ergebnisse der Grundlagenforschung und mehrerer klinischer Studien haben auch die Krankenkassen überzeugt. Sie erkennen die kardiale Stammzelltherapie als "Innovative Therapie" an und erstatten deren Kosten, so dass Steinhoff und sein Team schon weit über 100 Patienten erfolgreich behandeln konnten.

Damit zukünftig alle Herzinfarktpatienten in den Genuss dieser vielversprechenden Behandlung kommen können, will das RTC die in Rostock entwickelte kardiale Stammzelltherapie bis zur europaweiten Zulassung begleiten. Mit diesem so genannten Translationsprozess gibt es auf dem noch jungen Gebiet der Regenerativen Medizin, zu der auch Stammzelltherapien gehören, wenig Erfahrung, wie Dr. Gudrun Tiedemann, die Translationsexpertin des RTC erläutert: "Ein Unterschied zu herkömmlichen Medikamenten ist beispielsweise, dass wir es bei der  Stammzelltherapie nicht mit einem genau definierten Wirkstoff zu tun haben, sondern mit aufbereiteten lebenden Zellen, die dem Patienten vorher entnommen werden. Für ein Zulassungsverfahren ist das aber kompliziert, weil damit jedes Medikament individuell hergestellt werden muss und eine Standardisierung schwierig ist. Der Gesetzgeber und die Forschung sind dabei, hier Regeln und Verfahren festzulegen, die dennoch die Qualität und Sicherheit der Behandlung gewährleisten. Denn dies ist die wichtigste Voraussetzung für den Einsatz am Patienten." Bei der Translation will das RTC Maßstäbe setzen. Europaweit einzigartig sei die angestrebte Verknüpfung von Grundlagenforschung und klinischer Forschung einerseits und Politik, Behörden, Industrie und Interessenverbänden der Gesundheitswirtschaft andererseits. Hierbei soll der Weg von der Forschung bis zum Patienten so kurz wie möglich, dabei gleichzeitig transparent und sicher gestaltet werden. Das verbessere nicht nur die Gesundheitsversorgung, sondern sei auch von wirtschaftlicher Bedeutung.

Das RTC versteht sich damit als Dienstleister für Wissenschaftler, Ärzte und Patienten und will künftig die Erfahrungen, die in den nächsten Jahren gerade mit dem Translationsprozess gesammelt werden, auch anderen Einrichtungen auf dem Gebiet der Regenerativen Medizin zur Verfügung stellen. Gefördert wird das RTC vom Bundesministerium für Bildung und Forschung und vom Wirtschaftsministerium des Landes Mecklenburg-Vorpommern.
Industriepartner in Forschung und klinischen Studien sind die Miltenyi Biotec GmbH sowie die D-Trust GmbH, eine Tochter der Bundesdruckerei, die zusammen mit dem RTC ein elektronisches Dokumentationssystem für klinische Studien entwickelt. Die Firma Miltenyi Biotec GmbH agiert sehr erfolgreich am Standort Teterow, sieht in diesem Projekt erhebliche wirtschaftliche Zukunftsperspektiven und will Forschung und Produktion in Mecklenburg-Vorpommern weiter ausbauen.

 
 

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Impressum Das RTC wird gefördert durch das BMBF, das Land Mecklenburg-Vorpommern und die Helmholtz-Gemeinschaft.