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Universität Rostock erhält Patent für biologischen Herz-Schrittmacher

Große Freude beim Team von Professor Robert David aus dem Department „Licht, Leben und Materie“ der Universität Rostock: Zwei Jahre nach dem Patentantrag erhält die Universität Rostock das ersehnte Patent in Deutschland für einen biologischen Herzschrittmacher mit naturgetreuen Herzschrittmacher-Stammzellen.

Bedeutet das, dass der 60 Jahre alte künstliche Schrittmacher womöglich ersetzt wird? Robert David, Professor für Regenerative Medizin in der Herzchirurgie der Universitätsmedizin Rostock, ist fest davon überzeugt. Aber wann das sein wird, dazu will sich der Forscher noch nicht festlegen. „Ein biologischer Herzschrittmacher, der dem natürlichen System des Menschen nahekommt, ist viel nachhaltiger“, betont der Entwicklungs-Biologe, der am Max-Planck-Institut für Entwicklungs-Biologie in Tübingen promovierte, in der Kardiologie der Ludwig-Maximilians-Universität München habilitierte und für die Idee eines biologischen Herzschrittmachers brennt. 

In Deutschland werden jährlich mehr als 100.000 elektronische Herzschrittmacher implantiert, die jedoch mit erheblichen Einschränkungen einhergehen: so kommt es zu Interferenzen mit anderen elektronischen Geräten, wie etwa bei MRT-Untersuchungen oder Flughafenkontrollen. Zudem bergen die Schrittmacher wie alle metallischen Implantate ein nicht unerhebliches Infektionsrisiko. Außerdem ist die Stromversorgung über Batteriebetrieb keine wirklich zufriedenstellende Lösung für die Patienten. Daher müssen jedes Jahr in Deutschland 16.000 Aggregatwechsel operativ vorgenommen werden.

„Wir haben eine Methode entwickelt, die es ermöglicht, einen hoch spezialisierten Herzmuskelzelltyp in hoher Reinheit aus Stammzellen herzustellen“, erklärt der Rostocker Forscher. Die wissenschaftliche Herausforderung: Die verwendeten Stammzellen müssen so beeinflusst werden, dass sie zu Schrittmacher-Zellen werden, die extrem selten sind. Wie das geht, erklärt Professor David so: „Wir stützen uns auf so genannte Zellprogrammierung in Kombination mit einem spezifischen Kulturprotokoll. Nur so erhalten wir reine Schrittmacherzellen“.

Dieses Verfahren ist von der Universität Rostock zum Patent angemeldet und bereits in Deutschland, Europa und Japan erteilt worden. Des Weiteren laufen gegenwärtig Anmeldungen für ein Patent in Kanada, USA, Indien, Korea und China. Während der coronabedingten Heimarbeit erreichte Professor David die Nachricht, dass auch die Anwendung dieser synthetisch hergestellten Schrittmacherzellen in Form eines biologischen Schrittmachers ebenfalls vom Deutschen Patent- und Markenamt zum Patent erteilt wird. Auch hier ist die Ausweitung des Schutzes auf den internationalen Markt durch die Universität Rostock geplant.

Von klinischen Studien mit einem biologischen Herzschrittmacher sind Professor David und sein Team aber noch weit entfernt. Aktuell geht es darum, ihren Ansatz mit Mäusen auf humane Schrittmacherzellen zu übertragen. Eine weitere Perspektive ist die Verwendung der Zellen zur Medikamententestung in der Kulturschale – das könnte eine deutliche Reduzierung von Tierversuchen ermöglichen. Neben der Verringerung des Leids dieser Tiere ist auch davon auszugehen, dass sich die Ergebnisse von Medikamententestungen – gewonnen mit menschlichen Zellen in der Kulturschale – so besser auf Patienten übertragen lassen. Auch für diese Anwendung der Schrittmacherzellen wurde der Universität Rostock mittlerweile in Deutschland ein Patent erteilt.

Bei der schutzrechtlichen Sicherung der Erfindungen steht die Universität Rostock Service GmbH (URSG) dem Erfinderteam rund um Professor David in allen Phasen des Patentierungsprozesses beratend zur Seite. Daneben unterstützt die URSG den Forscher aktiv bei der wirtschaftlichen Verwertung dieser Erfindungen und steht derzeit mit einigen Unternehmen zur Initiierung nachhaltiger Kooperationen in regem Kontakt. Auch die Gründung eines Start-ups wird intern diskutiert. Patentingenieur Lars Worm sagt dazu: „Die Erfindungen von Professor David und seinem Team besitzen enormes wirtschaftliches und gesellschaftliches Potenzial und zeigen einmal mehr, dass in Mecklenburg-Vorpommern patentrelevante Spitzenforschung betrieben wird.“  Text: Wolfgang Thiel

 

Kontakt:
Prof. Dr. rer. nat. Robert David
Universität Rostock
Telefon: + 49 381 498-8973
robert.david@med.uni-rostock.de

 

 
 
 

Presseerklärung

EBIOM-102862

Genetischer Code für die Stammzellherzreparatur

Ein Forscherteam aus Deutschland und Japan veröffentlichte im LANCET-Journal EBioMedicine einen neuen hochspezifischen Genexpressionscode, der die Stammzellantwort für die Herzreparatur nach Infarkt steuert. Mithilfe fortschrittlicher Algorithmen für künstliche Intelligenz konnten sie spezifische Variationen in Knochenmarkstammzellen durch Transkriptom-Sequenzierung peripherer Blutzellen nachweisen. Bei den untersuchten Patienten mit arteriosklerotischer Erkrankung und Herzinsuffizienz fanden sie fortgeschrittene somatische Mutationen im Blut, die mit veränderten Stammzellfunktionen verbunden waren.

Arteriosklerose, Myokardinfarkt und Herzinsuffizienz sind weltweit eine Hauptursache für Krankheiten und Todesfälle. Die genetische Ursache von Krankheiten und Reparaturmechanismen durch Stammzellen wurde bisher nicht geklärt. Die neuen Ergebnisse zeigen, dass die Seneszenz von Stammzellen durch mehrere erworbene Mutationen Defekte bei der Reparatur der Myokardperfusion verursacht. Dieser Mechanismus kann eine Hauptursache für fortschreitende Herzinsuffizienz und Herz-Kreislauf-Erkrankungen sein. Die klinischen Ergebnisse der Phase-3-PERFECT-Stammzellstudie, die zu einer starken Verbesserung der Herzfunktion führte, wurden in einer unabhängigen Patientengruppe sowie in zwei Mausmodellen validiert, um den Genschalter zu klären, der zu einer verbesserten Herzreparatur durch zirkulierende Stamm- und Immunzellen führt. „Diese neuartige Diagnosemethode kann zur Vorhersage der Herzreparatur verwendet werden, die einen wichtigen Meilenstein in der Stammzelltherapie bei Herzinsuffizienz darstellen könnte“, erklärte Prof. Gustav Steinhoff, der das Forschungsteam von 10 Universitäten koordinierte.

Markus Wolfien, MSc 1, Denise Klatt, PhD2, Amankeldi A. Salybekov, MD 3, Masaaki Ii, MD, PhD 4, Miki Komatsu-Horii, BS 5, Ralf Gaebel, PhD 6, Julia Philippou-Massier, PhD 7 , Eric Schrinner, 8, PERFECT  trial and vascular regeneration investigators group 9, Helmut Blum, PhD 7, Prof Olaf Wolkenhauer, PhD 1, Prof Axel Schambach, MD, PhD2, Prof Takayuki Asahara, MD, PhD 3, Prof Gustav Steinhoff, MD 6 *. Hematopoietic stem-cell senescence and myocardial repair - Coronary artery disease genotype/phenotype analysis of post-MI myocardial regeneration response induced by CABG/CD133+ bone marrow hematopoietic stem cell treatment in RCT PERFECT Phase 3. EBioMedicine (online)

zur Veröffentlichung

 
 
 

iRhythmics: Teilnahme an der 15. Nationalen Branchenkonferenz

12.-13.06.2019

Im Juni 2019, wie auch in vergangenen Jahren, fand die zweitägige Nationale Branchenkonferenz dieses Mal mit Norwegen als Partnerland in Rostock-Warnemünde statt. Es trafen sich verschiedenste Repräsentanten der Gesundheitswirtschaft, es fanden parallele Workshops und rege Diskussionen statt, und einige Teilnehmer präsentierten ihre Start-ups in der Ausstellung.

Den Forschungsverbund iRhythmics vertraten unsere Doktoranden Sophie Kussauer (Herzchirurgie, Universitätsmedizin Rostock) und Markus Wolfien (SBI, Universität Rostock) (siehe das erste Foto ). Nach der Vorstellung des gemeinsamen Projektes erläuterten beide den Alltag und die Wichtigkeit der Zusammenarbeit zwischen Biologen und Systembiologie/Bioinformatikern innerhalb des Konsortiums.

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iRhythmics: Kick-off-Meeting des Forschungsverbundes

22.03.2019

Am 22.03.2019 trafen sich die fünf Verbundpartner des iRhythmics Konsortiums zum gemeinsamen 
Austausch aktueller Erreignisse, Entwicklungen und Vorgehensweisen während der Anfangsphase des 
Projektes.

Das Kick-off- Meeting des Forschungsverbundes wurde vom Koordinator, Herrn Prof. Robert David, aus 
dem Forschungsbreich der Klinik für Herzchirugie der Universitätsmedizin (UM) Rostock eröffnet, 
gefolgt von Grußworten vom Rektor der Universität Rostock, Herrn Prof. Wolfgang Schareck, und ei- 
ner Einführung zu den Aufgaben des Projektträgers Jülich, vorgestellt von Herrn Neudörfer.

Die Vormittagsrunde bestand aus den wissenschaftlichen Vorträgen der einzelnen Verbundpartner mit 
anschließender kurzer Diskussion. Hier konnten wir einen Einblick in die einzelnen Arbeitspake- te 
unserer junger Wissenschaftler, Herrn Dr. Heiko Lemcke und Frau M.Sc. Sophie Kussauer, gewin-
nen und erhielten einen Überblick über bereits erzielte Ergebnisse.

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Herzzellen aus dem Labor sollen Tierversuche ersetzen

Osteezeitung vom 05.06.18

31. Juli 2017

Publication release:

Gustav Steinhoff, Prof. M.D.; Julia Nesteruk, M.D.; Markus Wolfien; Guenther Kundt, Prof PhD; Jochen Boergermann, M.D.; Robert David, Prof PhD; Jens Garbade, Prof MD; Jana grosse, Prof PhD; Axel Haverich, Prof MD; Holger Hennig, PhD; Alexander Kaminski, M.D.; Joachim Lotz, Prof MD; Friedrich W Mohr, Prof MD; Paula Mueller; Robert Oostendorp, Prof PhD; Ulrike Ruch, PhD; Samir Sarikouch, Prof MD; Anna Skorska, PhD; Christof Stamm, Prof MD; Gudrun Tiedemann, PhD; Florian M Wagner, M.D.; Olaf Wolkenhauer, Prof PhD

Abstract:

CARDIAC FUNCTION IMPROVEMENT AND BONE MARROW RESPONSE

Outcome analysis of the randomized PERFECT phase III clinical trial of intramyocardial CD133+ application after myocardial infarction

E-BioMedicine http://dx.doi.org/10.1016/j.ebiom.2017.07.022

http://www.ebiomedicine.com/article/S2352-3964(17)30296-7/fulltext

 

HEMMUNG DER STAMMZELLEN IM KNOCHENMARK BEEINFLUSST HERZFUNKTION

Forscher aus Rostock entschlüsseln Krankheitsmechanismus für Herzinsuffizienz

Stammzelltherapien für Herzerkrankungen haben die hochgesteckten Erwartungen von Wissenschaftlern, Patienten und Gesellschaft bezüglich ihrer klinischen Eignung bisher nicht erfüllen können, obwohl umfangreiche Nachweise in Tiermodellen gemacht wurden. Der Wissenschaftler und Herzchirurg an der Universität Rostock, Prof. Gustav Steinhoff, und sein Forschungsteam haben die Ursache für das Therapieversagen in der Reaktionsfähigkeit der Knochenmarkstammzellen gefunden und die Ergebnisse in E-BioMedicine publiziert. In der randomisierten doppel-blinden Placebo kontrollierten Phase 3 Studie PERFECT mit Stammzelltherapie und Bypassoperation, wurde in 40% der Patienten ein Therapieversagen festgestellt. Bei diesen lag zugleich eine Unterdrückung der Knochenmarkstammzellen in Verbindung mit dem Genregulator SH2B3 vor. Das Resultat ist ein Stammzellmangel im Blut als Ursache für fehlendes Nachwachsen von Gefäßen für die Sauerstoffversorgung der Herzmuskulatur und damit Ursache für nachfolgende Herzinsuffizienz.

Die klinische Forschung wurde als Pilotprojekt in Deutschland vom Bundeministerium für Bildung und Forschung und der EU für die Entwicklung von hochstandardisierten Stammzelltherapien gefördert und die klinische Studie von 2009 bis März 2016 durchgeführt, um Sicherheit und Effizienz der Transplantation von CD133+ Stammzellen aus dem Knochemark zusammen mit Bypassoperation zu prüfen. Die multizentrische Studie wurde mit den führenden Herzzentren in Deutschland Bad Oeynhausen, Berlin, Hamburg, Hannover, Leipzig und Rostock, zusammen mit dem Biotechnologie Unternehmen Miltenyi-Biotec GmbH, Bergisch-Gladbach und Wissenschaftlern in Freiburg, München und Göttingen realisiert.
 
Professor Gustav Steinhoff, der klinische Leiter der PERFECT Studie und Hauptautor der Publikation, hat fast ein Jahr mit einem Spezialistenteam der beteiligten Universitäten und Biotechnologie-Unternehmen die Ergebnisse der Studie und der Begleitforschung analysiert. "Es war ein enormes Puzzle. Die klinischen Resultate waren nach Entblindung der Studie komplett anders als erwartet. Allerdings gab es eine nicht erklärte Besserung von 10% der Pumpleistung des Herzens unabhängig von der Stammzelltherapie." sagte Gustav Steinhoff, der schon 2001 in Rostock die weltweit erste Stammzelltranplantation in den Herzmuskel durchführte. "Wir fanden dann bei 40% der Patienten überhaupt keine Verbesserung der Herzfunktion, während die übrigen 60% sogar im Mittel 17% Verbesserung der Pumpfunktion und ein besseres Langzeitüberleben aufwiesen." Die Forscher konnten dann mit Hilfe von neuen künstlich intelligenten lernenden Rechenprogrammen eine präoperative Biomarker-Diagnostik für die Erkrankung etablieren, mit der Patienten mit gesundem Knochenmark für eine Verbesserung der Herzfunktion ausgewählt werden können. Mit dieser neuen Computer-assistierten Diagnostik können Patienten individuell mit einer optimale Therapie mit Bypassoperation und Stammzellen behandelt werden.

Pressekontakt:
 
Dr. Ulrike Ruch, Reference and Translation Center for Cardiac Stem Cell Therapy, University Rostock;
ulrike.ruch@med.uni-rostock.de
Phone: +49-381 498 8974
Mobile:+49 179 39 39 344

Download der Presseerklärung (PDF)
Download der Presseerklärung (DOCX)

Über:

Das Referenz- und Translationszentrum für kardiale Stammzelltherapie (RTC) wurde 2008 auf Initiative des Herzchirurgen und Wissenschaftlers Prof. Dr. Gustav Steinhoff an der Universitätsmedizin Rostock als eines der fünf von Bund und Ländern geförderten Translationszentren für Regenerative Medizin in Deutschland gegründet. Es befindet sich im Biomedizinischen Forschungszentrum (BMFZ) Rostock.
Am RTC wird Hochleistungsmedizin betrieben. Fokussiert auf kardiovaskuläre Erkrankungen werden unter Einsatz modernster molekular- und zellbiologischer Forschungsmethoden - häufig in Kooperation mit Industriepartnern - innovative Ansätze für Stammzelltherapien im Labor entwickelt und in Tiermodellen überprüft. Nachdem Sicherheit und Wirksamkeit im klinischen Studienzentrum des RTC belegt worden sind werden die neuen Therapien in die Patientenversorgung der Klinik für Herzchirurgie übernommen. Der Gesundheitszustand aller Stammzellpatienten wird hier in einem Register lebenslang weiter beobachtet. Dieses dient der Nachverfolgung von Sicherheit und Wirksamkeit der neuartigen Therapien.Das Konzept des RTC beinhaltet, dass alle Translationsschritte im Rahmen der Entwicklung sowie die Herstellung der Stammzellprodukte und die Behandlung der Patienten standardisiert und qualitätsgesichert entsprechend den gesetzlichen Anforderungen für „Arzneimittel für neuartige Therapien“ durchgeführt werden. Damit nimmt das RTC die Position eines Referenzzentrums ein.

www.cardiac-stemcell-therapy.com

Study protocol PERFECT

TRIAL REGISTRATION: https://clinicaltrials.gov/ct2/show/NCT00950274

Funding: German Ministry of Research and Education (BMBF) FKZ0312138A, EU ESF/IV-WM-B34-0011/08, ESF/IV-WM-B34-0030/10 and Miltenyi Biotec GmbH, Bergisch-Gladbach, Germany

 

 
 
 
 

22. Juli 2016

Weltwissen aktualisiert: Regenerative Medizin füllt 2000 Seiten

Nach dem Buch ist vor dem Buch: Prof. Dr. Gustav Steinhoff bereitet schon die nächste Ausgabe vor.

csm_IMG_6224_8b92faf21b.jpg (800?534)Stammzell-Pionier versammelt Expertenbeiträge in Mammut-Werk

Die Vorarbeiten dauerten zwei Jahre. Nun hat Rostocks Stammzell-Pionier Prof. Dr. Gustav Steinhoff die Mammut-Abhandlung „Regenerative Medicine“, das größte Werk zur Regenerativen Medizin, in der dritten, aktualisierten Auflage herausgebracht. 2011 war der Erstling herausgekommen. „Alle paar Jahre aktualisiere ich die Fakten“, sagt der leitende Herzchirurg der Universitätsmedizin Rostock. Das Feld entwickle sich rasend schnell. „Der Wissensbedarf bei Studenten und Medizinern ist enorm.“ Außerhalb der Fachbücher sei auch die Information für Patienten auf dem komplexen Gebiet der Regenerativen Medizin nur eingeschränkt verfügbar.

„Wir fassen den Wissensstand mit Beiträgen aus aller Welt zusammen“, so Steinhoff. Das liefere kein anderes Buch. An den 60 Kapiteln seien 200 Co-Autoren beteiligt gewesen. Mittlerweile hat Steinhoffs Kompendium in die Lehrbuchempfehlungen der Unis Eingang gefunden. Jährlich verkaufen sich fast 70 000 Exemplare des auf 2000 Seiten komprimierten Expertenwissens.

Die dritte Auflage erschien in diesem Jahr binnen vier Monaten – in fünf Bänden. „Das ist bemerkenswert: Gestartet waren wir bei der ersten Ausgabe mit einem einzigen Band“, macht Steinhoff die Dimensionen klar. Ausgangspunkt für „Regenerative Medicine“ war ursprünglich ein europaweites Vernetzungsprojekt gewesen. Der Herzspezialist war unter den deutschen Vertretern, die die Regenerative Medizin auf dem Kontinent voranbringen wollten. Ein Projekt war das Buch. Zunächst gewann er Co-Autoren aus anderen europäischen Ländern, versuchte aber auch, in den USA, Asien und Australien führende Experten für das Fachgebiet auszumachen. „Das ist zunehmend gelungen“, berichtet der Arzt. Afrika und Südamerika hat er noch im Blick.

Seit dem ersten Aufschlag zum Fachgebiet hat dieses erhebliche Fortschritte durchlaufen. „Stammzelltherapie wird mehr und mehr in den Kliniken angewendet. Herz, Gefäße, Haut, Augenhornhaut – es haben sich viele Behandlungsfelder entwickelt. Biotechnologie und Medizin befruchten sich gegenseitig“, so Steinhoff. Darin liege eine große Chance für die Patienten. Die Ergebnisse erfolgreicher Forschung landeten letztlich am Krankenbett.

Das Werk solle dazu beitragen, die Regenerative Medizin als Entwicklungsgebiet zu beschreiben; sie soll erfassbar werden für die aktuelle Generation. Was sind Stammzellen, wie funktioniert Regeneration im Körper? „Wir sind kein statischer Organismus. Wir schütteln etwa unsere Haut ab wie ein Baum Blätter abwirft. Dahinter steckt ein Wiederherstellungsmechanismus, den wir für Therapien kennen und nutzen lernen müssen.“

Er habe selbst durch die Arbeiten am Buch erheblich an Wissen dazugewonnen, sagt der Mediziner. Zum Beispiel zum Aspekt der Verantwortung. Es sei die Frage an jeden Arzt, ob er qualifiziert genug ist, um neuartige und individuelle Methoden wie die der umprogrammierten Stammzellen anzuwenden. „Eine langfristig manipulative Therapie erfordert mehr fachspezifisches Wissen als die Gabe einer Blutverdünnungstablette.“ Daher plädiert Steinhoff für internationale Leitlinien für den wissenschaftlichen und klinischen Umgang mit der Stammzelltherapie.

Nach dem Buch ist übrigens vor dem Buch: Für den Rostocker Mediziner beginnen demnächst die Vorbereitungen für die vierte Auflage „Regenerative Medicine“.

Ansprechpartner: Prof. Dr. Gustav Steinhoff, Direktor der Herzchirurgie, Universitätsmedizin Rostock, Tel.: 0381 494 6101

 

 
 
 

09. September 2015

Conventer Atrium: Wird zu viel operiert?

Diskussion zu Wohl und Wehe des Fallpauschalen-Systems

Im Rahmen der Reihe zu Medizin und Ethik, der "Conventer Gespräche", lädt der Veranstalter Prof. Dr. Gustav Steinhoff verschiedene Experten zum Thema "Wird in Deutschland zu viel operiert? Wohl und Wehe des DRG-Systems" am 14. September um 19.30 Uhr ins Conventer Atrium in Börgerende-Rethwisch ein.

Falsche Anreize im Gesundheitssystem? Ist die Zweitmeinung die Lösung? Werden Patienten zu früh entlassen? Gibt es den ethischen Anspruch eines Patienten, dass alle Therapiemöglichkeiten ausgeschöpft werden? Was ändert sich mit dem Versorgungsstärkungsgesetz und dem geplanten Krankenhaus-Strukturgesetz? Diese Fragen werden diskutiert. Moderatorin Renate Heusch-Lahl freut sich auf Prof. Dr. Wolfram Mittelmeier, Direktor der Rostocker Orthopädie, Dr. Anke-Britt Moehr, AOK Nordost, Wiebke Cornelius, Unabhängige Patientenberatung und Wolfgang Gagzow, Geschäftsführer der Deutschen Krankenhausgesellschaft MV.

"Viele Patienten sind sich nicht sicher, ob ihnen aus medizinischer oder eher aus wirtschaftlichen Interessen zu einer Operation geraten wird. Verständliche Patienteninformationen, eine zweite Meinung und ausreichend Bedenkzeit können Betroffenen Sicherheit geben", sagt Patientenberaterin Wiebke Cornelius. Dr. Anke-Britt Möhr von der AOK stellt fest: "In Deutschland gibt es zu viele Eingriffe, die dem Patienten nicht helfen, aber Risiken bergen. Ökonomische Gründe spielen dabei eine große Rolle, da sich Operationen mehr lohnen als konservative Therapien."

Prof. Dr. Wolfram Mittelmeier räumt ein, dass es falsche Anreize über einen hohen Privatisierungsgrad im Gesundheitssystem gebe. "Die Frage, ob zu viel operiert wird, lässt sich nur über die bislang ungeklärte Frage der ,Verbesserung' des objektiven und subjektiven Zustands der Patienten beantworten. Zweit-Meinung kann vorteilig sein für bestimmte Entscheidungen bezüglich Interventionen, wenn die Auswahl/Voraussetzungen der betroffenen Experten hinsichtlich Fachkompetenz und Unabhängigkeit gewährleistet ist", so der Orthopäde.

Die Gäste im Publikum sollen mitdiskutieren. Der Eintritt kostet 10 Euro. Vorverkauf: Pressezentrum Rostock und www.mvticket.de, Kartenreservierung: Tel. 038 203/229 24

Kontakt: Prof. Dr. Gustav Steinhoff, Klinik und Poliklinik für Herzchirurgie, Universitätsmedizin Rostock, gustav.steinhoff@med.uni-rostock.deNetz: www.conventer-atrium.de

 
   
 

23. Juni 2015

Rostocker Stammzellpionier leitet internationalen Kongress zur Regenerativen Medizin

Prof. Gustav Steinhoff fürchtet um die Qualität der Stammzelltherapie. Er kämpft für weltweit geltende Sicherheitskriterien.

Etwa 100 Wissenschaftler aus Europa, den USA und Asien kommen am 30. Juni in Berlin zur Konferenz „Regenerative Medicine in Europe“ zusammen. Kongresspräsident ist Prof. Dr. Gustav Steinhoff, Leiter der Herzchirurgie der Universitätsmedizin Rostock. Er gilt als Pionier der Stammzelltherapie für das Herz. „Wir gehen der Frage nach, wie aktuelle Forschung in die Klinik umgesetzt und die Qualität der neuen Therapien gesichert werden kann“, sagt er. Bedarf gebe es unbedingt: Man müsse sich vor einer „Wild-West“-Entwicklung hüten, die schon ihren Anfang genommen habe. „Viele sogenannte Zentren für Stammzelltherapie, etwa in Lateinamerika, Asien und Osteuropa, bewegen sich im Graubereich; dort will man ohne wissenschaftliche Evaluation einfach nur Geschäfte machen“, so Steinhoff. Großes Ziel des Kongresses sei es daher, ein Grundsatzpapier zu erarbeiten, das verbindliche wissenschaftliche Standards für den Aufbau von Behandlungszentren auf der ganzen Welt vorgibt. 

Derzeit gibt es fünf Zentren für Regenerative Medizin in Deutschland, eines davon in Rostock. Viele Patienten setzen große Hoffnungen in diese innovative Therapieform. „Die Stammzellforschung hat in den letzten 15 Jahren enorme Fortschritte in der Regenerativen Medizin ausgelöst. Auf dieser Basis werden derzeit weltweit neue Therapieverfahren entwickelt, die für die Medizin des 21. Jahrhunderts in Richtung einer regenerativen und heilenden Medizin ausschlaggebend sein werden.“ Doch der Mediziner mahnt Geduld an. „Neue Therapieverfahren brauchen immer Zeit, bis sie zur klinischen Anwendung kommen.“

Probanden sollten besonders geschützt und bei Forschungsvorhaben nur einem minimalen Risiko ausgesetzt werden, ergänzt sein Kollege, der Ethiker Prof. Dr. Nikolaus Knoepffler von der Universität Jena. „Allerdings darf dieses Risiko etwas höher sein, wenn es um Heilversuche geht, bei denen der erwartete Nutzen des Heilversuchs im Vergleich zur Standardtherapie die Risiken deutlich übersteigt.“ Es sei der falsche Weg, den heutigen technischen Stand einzufrieren und neue Möglichkeiten zu verbieten. „Vielmehr sollten wir eine Rahmenordnung schaffen, die einen vernünftigen Umgang mit neuen technischen Möglichkeiten erlaubt. Freilich wird es ein großer Aushandlungsprozess werden, was als vernünftig gelten kann.“ Was Forschung an adulten Stammzellen angeht, also jenen, die sich nach der Geburt im menschlichen Organismus befinden, so hofft der Medizinethiker, dass sie helfen wird, den Mangel an Organen durch Alternativen zu ersetzen. Beispielsweise, indem Herzen wieder eine zureichende Leistung erreichen – eine Herztransplantation ist dann nicht mehr nötig.

Auf diesem Weg ist Steinhoff. Er erprobt bereits seit 15 Jahren Zell-Behandlungen an Patienten, die nach einem Herzinfarkt an Herzschwäche leiden. Der Rostocker will ihnen mit Stammzellen aus dem Knochenmark helfen. Diese produzieren im Körper einen stetigen Nachschub an neuen Blutzellen – eine Eigenschaft, die schon seit vielen Jahren therapeutisch genutzt wird. Doch bestimmte Knochenmark-Stammzellen stimulieren darüber hinaus die Bildung neuer, kleiner Blutgefäße. Steinhoff isoliert die Zellen aus dem Blut seiner Patienten und spritzt sie ihnen dann ins geschädigte Herzgewebe, wodurch tatsächlich neue Gefäße entstehen. „Wir verbessern damit die Pumpleistung um fünf bis zehn Prozent. Das hat einen deutlich spürbaren Effekt für die Behandelten“, fasst Steinhoff bisherige Ergebnisse zusammen. Sollte eine laufende Studie den Nutzen des Verfahrens bestätigen, könnte er in etwa zwei Jahren die Zulassung für seine Therapie beantragen.

 
 
   

22. Juni 2015

Herzforscher von Weltrang hält Vortrag in Rostock

Prof. John Cooke, ein bedeutender Kardiologe aus Houston (USA), ist am 1. Juli von 12 bis 13 Uhr im Hörsaal Chirurgie der Universitätsmedizin Rostock zu Gast. Der vielbeachtete Grundlagenforscher hält eine Sondervorlesung im Rahmen der damit wieder auflebenden Reihe „Oscar-Langendorff-Lecture“. Namensgeber Langendorff war am Ende des 19. Jahrhunderts weltberühmt geworden, weil er als Erster ein Herz in einen künstlichen Kreislauf brachte, der heute in modernerer Form immer noch angewendet wird. Gastredner Cooke hat hervorragende Arbeit in der experimentellen Forschung geleistet. Er befasst sich mit der Rückprogrammierung von Zellen. Auf die Rolle des körpereigenen Abwehrsystems bei diesem Auf-Null-Stellen geht er bei dem Vortrag ein. „Aus einer Zelle eine andere zaubern“ – daran forscht auch der Rostocker Herzchirurg und Gastgeber Prof. Dr. Gustav Steinhoff. Seine Vision: aus Herznarbengewebe Muskelgewebe herstellen. „Dafür müssen wir die genauen Erkrankungswege entschlüsseln“, sagt er und lädt Interessierte herzlich zu Cookes in englischer Sprache gehaltenen Ausführungen ein. Der Eintritt ist frei.

 
 
   

24. April 2015

Rostocker Stammzellen-Forscher wird geehrt

Dr. Cajetan Lang möchte Techniken von der präklinischen Forschung in die Klinik umsetzen

Für seine Arbeit wird Dr. Cajetan Lang im Rahmen der Sitzung „Junge Wissenschaft im Fokus“ bei der Jahrestagung der Deutschen Gesellschaft für Nuklearmedizin am kommenden Donnerstag in Hannover mit einem Vortrag geehrt. Der 30-Jährige arbeitet am Referenz- und Translationszentrum für kardiale Stammzelltherapie (RTC) der Universitätsmedizin Rostock im Bereich der Bildgebung kardialer Stammzelltherapien im lebenden Organismus. „Mein  Ziel ist es,  die Therapieeffekte transplantierter Zellen im Wirtsorganismus zu erhöhen. Die Forschung kann vieles optimieren, indem sie visualisiert und quantifiziert“, findet der gebürtige Tübinger.  Sein Traum ist es, dass  diese Techniken von der vorklinischen Forschung in die Klinik umgesetzt werden. „Wir haben hervorragende Nachwuchswissenschaftler in Rostock. Ich bin sehr stolz auf Dr. Lang“, sagt der Direktor der Klinik für Herzchirurgie und Leiter des RTC,  Prof. Dr. Gustav Steinhoff. „Er hat den gleichen Ansatz wie ich: Für Spitzenmedizin braucht es fundierte Forschung, die eng mit der Klinik verbunden ist.“

 

 

 

 

 

 

Impressum Das RTC wird gefördert durch das BMBF und dem Land MV mit Mitteln aus den Strukturfonds der EU.