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Regulatorischer Rahmen

„Regenerative Medizin“ bedeutet, durch neuartige Therapien körpereigene Regenerations- und Reparaturprozesse anzuregen oder erkrankte Gewebe biologisch zu ersetzen. Neben klassischen und biotechnologischen Wirkstoffen und Biomaterialien kommen vorrangig neuartige Zell- und Gewebetherapien zum Einsatz. Diese sind seit Ende 2008 unter dem Begriff „Arzneimittel für neuartige Therapien“, im englischen ATMP („Advanced Therapy Medicinal Products“) in einer speziellen EU-Verordnung einheitlich für alle europäischen Länder geregelt. In diesem „Lex specialis“ finden die Besonderheiten der Produkte unter dem Dach des Arzneimittelrechts Berücksichtigung. Ziel der EU für die neue Verordnung war es, für die Patienten Schutz und Sicherheit zu gewährleisten, freien Handel in der EU zu sichern und – ganz wichtig für alle Forschungseinrichtungen auf diesem Gebiet - medizinischen Fortschritt durch F&E nicht zu beeinträchtigen. Dieses ist weitgehend gelungen, wobei die geschaffenen spezifischen nationalen Ausnahmen hilfreich sind.
Grundlage für alle Zell- und Gewebeprodukte ist die 2004 in Kraft getretene EU-Geweberichtlinie (RL 2004/23/EG) (in Verbindung mit den RL 2006/17/EG „Entnahme“ und RL 2006/86/EG „Verarbeitung“). Nach der Umsetzung in das Deutsche Gewebegesetz wurden die klassischen „Gewebezubereitungen“ als Arzneimittel ins Arzneimittelrecht (AMG) aufgenommen. Von diesen grenzen sich die oben erwähnten ATMP dahingehend ab, dass Gewebe substanziell bearbeitet sind und/oder im Empfänger im Wesentlichen nicht der(n)selben Funktion(en) dienen sollen, wie im Spender, also als “non homologous use” Anwendung finden. Unter dem Begriff ATMP sind per Definition Gentherapeutika (GT), somatische Zelltherapeutika (SCT), Tissue Engineering Produkte (TEP) sowie „kombinierte Arzneimittel für neuartige Therapien“ zusammengefasst. Letztere bestehen aus Kombinationen von Zellen/Geweben und Medizinprodukten. ATMP sind -  wie bereits oben erwähnt - seit Ende 2008 europaweit einheitlich mit der Verordnung 1394/2007/EG (ATMP-VO) geregelt und wurden entsprechend in die nationalen Gesetzgebungen aufgenommen. Unter ganz bestimmten, eher seltenen Konstellationen sieht die EU-Verordnung nationale Sonderregelungen vor („Hospital Exemtion“), die in den einzelnen Mitgliedsstaaten inzwischen festgelegt  wurden – leider nicht immer harmonisiert.

Bei den im RTC entwickelten Stammzellprodukten handelt es sich überwiegend um ATMPs. Damit sind die gesetzlichen und regulativen Anforderungen aus der neuen Verordnung und dem „Gemeinschaftskodex für Humanarzneimittel“ (Richtlinie 2001/83/EG) von uns zu erfüllen. Im Gesetzeswerk wurde den Besonderheiten der neuartigen Produkte durch spezielle regulative Vorschriften für Genehmigung, Überwachung und Pharmakovigilanz Rechnung getragen. Dieses wird dadurch unterstrichen, dass inzwischen zusätzliche wissenschaftliche und technische Leitlinien erstellt wurden und eine Bündelung der Expertise bei der EMA durch die Einrichtung eines spezifischen Ausschusses (CAT) für wissenschaftliche Beratung, Klassifizierung der Produkte und Zertifizierung qualitätsbezogener und nichtklinischer Daten von ATMP erfolgte. Dieser Ausschuss ist auch in den Empfehlungsprozess für die Zulassung durch die EU involviert. Als biologische Arzneimittel unterliegen ATMP dem zentralisierten Genehmigungsverfahren durch die EMA (Verordnung (EG) Nr. 726/2004).

Die ATMP-Verordnung und der Gemeinschaftskodex sind auf Arzneimittel „die in den Mitgliedsstaaten in den Verkehr gebracht werden sollen und die entweder gewerblich zubereitet werden oder bei deren Zubereitung ein industrielles Verfahren zur Anwendung kommt“ begrenzt. Für Produkte, die diese Voraussetzungen nicht erfüllen, waren die einzelnen Mitgliedsstaaten von der EU aufgerufen, nationale Ausnahmeregelungen zu schaffen. Dieses betrifft ATMP, die nicht routinemäßig hergestellt werden (individuelle Herstellung auf Anforderung für einzelnen Patienten) und die nicht in den MS vermarktet werden sollen (individuelle Therapieverfahren, Anwendung verbunden mit Eingriffen). Diese werden zumeist direkt in (oder für) klinische Einrichtungen hergestellt. In Deutschland sind für diese “Hospital Exemtion” - gemäß §28 der ATMP-VO und Artikel 3 RL 2001/83/EG (7) - die nationalen Sondervorschriften unter §4b im AMG beschrieben.

Für die Herstellung von ATMP gelten europaweit die Anforderungen gemäß GMP (Gute Herstellpraxis). Klinische Prüfungen sind nach GCP (Gute Klinische Praxis) durchzuführen.    Für die Zulassung ist – wie oben erwähnt - das zentrale EU-Verfahren Pflicht. Die nationale Ausnahmeregelung - in Deutschland gemäß §4b AMG -  fordert ebenfalls die GMP-gerechte Herstellung.  Statt der EU-Zulassung, mit der das Recht erworben wird, das Produkt in allen Mitgliedsstatten zu vermarkten ist hier jedoch - sofern das Produkt „an andere abgegeben wird“ - lediglich die Genehmigung der Bundesoberbehörde (Paul-Ehrlich-Institut) erforderlich, um das Produkt in einer spezifischen Einrichtung anzuwenden. 

Alle ATMPs, die am RTC entwickelt  werden, erfüllen die gesetzlichen Vorgaben. Dafür wurde am RTC ein Qualitätssicherungssystem etabliert, das Arbeiten gemäß GCP und GMP erlaubt und auch schon bei der prä-/nichtklinischen Entwicklung von ATMPs weitgehend die strengen Anforderungen von GLP („Good Laboratory Practice“) berücksichtigt.

Wichtige Verordnungen und Richtlinien

  • VO 1394/2007/EC (ATMP-Verordnung)
  • RL 2004/23/EC (Festlegung von Qualitäts- und Sicherheitsstandards für die Spende, Beschaffung, Testung, Verarbeitung, Konservierung, Lagerung und Verteilung von menschlichen Geweben und Zellen)
  • RL 2006/17/EG (zur Durchführung der RL 2004/23/EG hinsichtlich technischer Vorschriften für die Spende, Beschaffung und Testung von menschlichen Geweben und Zellen)
  • RL 2006/86/EG (zur Umsetzung der RL 2004/23/EG hinsichtlich der Anforderungen an die Rückverfolgbarkeit, der Meldung schwerwiegender Zwischenfälle und unerwünschter Reaktionen sowie bestimmter technischer Anforderungen an die Kodierung, Verarbeitung, Konservierung, Lagerung und Verteilung von menschlichen Geweben und Zellen)
  • RL 2001/83/EC („Gemeinschaftskodex für Humanarzneimittel“),
  • Ergänzung dazu: Annex I RL 2003/63/EC,
  • und Ergänzung zu Annex I (ATMP betreffend) RL 2009/120/EC
  • VO (EC) 726/2004 (Festlegung von Gemeinschaftsverfahren für die Genehmigung und Überwachung von Human- und Tierarzneimitteln und zur Errichtung einer Europäischen Arzneimittel-Agentur: Regelung der zentralen Zulassung von AM)
  • RL 2001/20/EC und RL 2005/28/EC (Grundsätze und Leitlinien der guten klinischen Praxis für zur Anwendung beim Menschen bestimmte Prüfpräparate sowie von Anforderungen für die Erteilung einer Genehmigung zur Herstellung oder Einfuhr solcher Produkte – GCP-Richtlinie)
  • RL 2003/94/EC (Grundsätze und Leitlinien der Guten Herstellungspraxis für Humanarzneimittel und für zur Anwendung beim Menschen bestimmte Prüfpräparate - GMP-Richtlinie)

Das gesamte europäische Gesetzeswerk ist unter folgenden Adressen abrufbar:
European Agency for the Evaluation of Medicinal Products (EMA)
Nationale Zulassungsbehörden der EU-Mitgliedsstaaten

 
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Impressum Das RTC wird gefördert durch das BMBF und dem Land MV mit Mitteln aus den Strukturfonds der EU.